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Merhaba! Roadtrip mit Kindern durch Marokko - von Marrakesh in die Sahara und zurück

  • Autorenbild: Nine
    Nine
  • vor 16 Stunden
  • 15 Min. Lesezeit

Ihr wollt WOHIN fliegen? MIT den Kindern? Ihr wisst schon, dass da vor kurzem 2 Touristinnen ermordert worden sind? Also ICH finde das ja viel zu gefährlich! Ihr wollt auch noch einen Roadtrip machen? Ihr habt aber schon einen Fahrer? Nicht euer Ernst, dass ihr euch traut alleine durch das Land zu fahren?


So oder so ähnlich waren die Reaktionen auf unsere Urlaubsdestination diesen Frühling: MAROKKO...nach Marrakech will ich schon eine gefühlte Ewigkeit - aber wenn ich mich schon in den Flieger setze und das Mittelmeer überquere, dann möchte ich doch bitte auch Land und Leute kennenlernen.

Ich gebe zu, der ♥-Mann war anfänglich nicht wirklich begeistert - aber was soll ich sagen: wenn ich etwas wirklich will, dann kann ich SEHR überzeugend sein :o) Jedoch haben wir den Kompromiss geschlossen, die Route vorher durchzuplanen und Mietwagen sowie unsere Unterkünfte vorab von Deutschland aus zu buchen.


Insgesamt waren wir 12 Tage in Marokko (während unserer Osterferien im April 2019) - bevor ich auf einzelne Highlights eingehe, gebe ich euch einfach mal einen kurzen Überblick über unseren Reiseverlauf:

  • Tag 1 & 2: Marrakech

  • Tag 3: Tages-Ausflug ins Atlas-Gebirge

  • Tag 4: Ait Benhaddou

  • Tag 5: Zagora

  • Tag 6: Sahara

  • Tag 7: Zagora

  • Tag 8: Ourzazate

  • Tag 9 bis 12: Marrakech

 


Roadtrip Tag 1 und 2 - Marrakech


Nachdem wir mit Ryan Air von Köln/Bonn per Direktflug nach Marrakech geflogen sind, geht es mit dem Taxi in unser Riad. Unser Riad Dar Al Walidine liegt nur etwa 100 Meter außerhalb der berühmten Medina, so dass wir auch mit den Kids ganz entspannt per Fuß in die Altstadt gehen können. Natürlich sind wir am allersten Tag doch etwas geschockt ob der "Lebensumstände", die wir aus Europa nicht gewohnt sind. Da wir vorher noch nie in ärmeren Ländern unterwegs waren, müssen wir (mit wir meine ich ehrlich gesagt eher uns Erwachsenen) die Eindrücke erstmal sacken lassen und verbringen den ersten Tag in unserem kleinen Hotel - eine Oase der Ruhe, mit tollem Pool, der ein oder anderen Hängematte zum Relaxen und wirklich hervorragendem landestypischen Essen.


Am zweiten Tag trauen wir uns nun ganz hinein in das wilde Treiben der Gassen, lassen uns mittreiben und verzaubern, sind das ein oder andere Mal auch geschockt und entsetzt. Wir stellen aber schnell fest, dass hier das Leben ein ganzes Anderes ist und die Menschen ganz andere "Probleme" haben, als sich über Müllentsorgung und westeuropäische Hygiene-Standards den Kopf zu zerbrechen.


So verlieren wir uns also in den verwinkelten Gassen der Altstadt, saugen alle neuen Impressionen auf und trauen unseren Augen kaum, als wir die Souks erreichen: Gewürze, Teppiche, Körbe in allen erdenklichen Größen, Tiere aller Art,  Lederschuhe und natürlich auch gefälschte Markenwaren (um die wir aus Prinzip allerdings einen großen Bogen machen)... Es kommt wie es kommen muß: schon beim ersten Besuch der Souks lasse ich mich dazu verleiten, zwei süße Körbe für die Kinderzimmer und zwei bestickte Sonnenhüte zu erwerben (ohne natürlich angemessen zu verhandeln) und lasse mir für viel zu viel Geld ein Hennatattoo aufschwatzen...


Der ♥-Mann kann verständlicherweise gar nicht verstehen, warum ich mir vor der Rundreise bereits Zeugs kaufe, was wir den Rest des Urlaubs mit uns herumschleppen müssen und im Nachhinein betrachtet muß ich im Absolut Recht geben. Mal abgesehen davon, dass die Menschen hier direkt merken, ob du zum ersten Mal da und somit ein leichtes "Opfer" bist, muß ich auch sagen, dass Marrakech recht überteuert ist (diese Erkenntnis erlangt man allerdings nur, wenn man quer durchs Land reist und einen Einblick in das alltägliche Leben und die hier gängige Preisstruktur erhält).

Natürlich laufen wir bei unserem Ausflug auch gleich in die erste Insta-Restaurant-Falle: Das  Café des Epices ist auf Instagram total gehyped, gibt es doch so schön bestickte Sonnenhüte, die sich auf Fotos noch viel schöner machen. Wir können den Hype nicht verstehen, klar man sitzt hier wirklich nett, aber das Essen ist so unspektakulär und so geschmackslos, dass ich mal wieder feststelle: ich muß nicht jeden Insta-Hype mitmachen #selbsterkenntnisistdererstewegzurbesserung


Obwohl wir erst April haben, sind es 33°C und den Nachmittag verbringen wir am Pool. Erst abends, als die Temperaturen wieder erträglicher werden, stürzen wir uns erneut in die Gassen der Altstadt. Wir wollen unbedingt zum sagenumwobenen Platz Djemaa el Fna, von dem wir bisher nur tolles gelesen haben - so soll er doch der Platz der Gaukler und Märchenerzähler sein und jeden in seinen magischen Bann ziehen.

Als wir dort ankommen, finden wir einiges, jedoch keine Magie...wir finden dreißig gleiche Stände, die frischen Obstsaft anbieten, wir finden Menschen, die Affen an einer Kette um den Hals hinter sich herziehen - mal mit Kleidchen, mal mit Fußballtrikot bekleidet (die Affen wohlgemerkt, nicht die Menschen), damit irgendwelche dämlichen und scheinbar minderbemittelten Touristen sich mit den armen Affen fotografieren lassen. Wir finden einen Adler, dem sie die Flügel abgeschnitten haben, damit er nicht wegfliegen kann - auch ein ach so schönes Fotomotiv für bescheuerte Touristen...wir sind entsetzt. Das einzige magisch Anmutende sind die Schlangenbeschwörer, die mitten im Trubel ihre Musik machen und von Schlangen umringt sind. Nichtsdestotrotz essen wir auf dem Markt an einem der Essensstände mit Einheimischen zu Abend und bezahlen dafür wirklich wenig (Stand 42, Chez Ahmed - absolut zu empfehlen!).


Roadtrip Tag 3 - Ausflug nach Imlil ins Atlasgebirge


Direkt morgens fahren wir mit dem Taxi ins Atlasgebirge nach Imlil. Dort haben wir eine kleine Trekkingtour gebucht - für die Kinder gibt es Esel und mit unserem Guide Mohamed wandern wir vorbei an blühenden Bäumen, über keine Brücken, vorbei an einem Wasserfall immer höher den Berg hinauf bis in sein Heimatdorf.


Die Lebensbedingungen sind erschreckend und Mohamed gibt uns bereitwillig Auskunft zu all unseren Fragen: Wie leben die Menschen hier? (in flachen selbstgebauten Hütten) Wo kaufen sie ein? (Supermärkte gibt es nicht. Einmal die Woche findet im größten Ort der Gegend ein Markt statt und dort wird eingekauft - der Rest wird selbst angebaut und untereinander getauscht). Wie bewegen sie sich fort? (zu Fuß oder mit dem Esel, kaum jemand besitzt ein Auto).



Wir erfahren jedoch aus, dass es mittlerweile einige Kooperativen zur Selbsthilfe gibt, da die Menschen hier fast alle in Armut leben. Wir lernen, dass landestypische Produkte besser in Kooperativen gekauft werden sollen, da diese wirklich zur Unterstützung der Landbevölkerung dienen. Dass wir am frühen Abend nicht nur mit tollen Erinnerungen an die wunderschöne Landschaft und die freundlichen Menschen sondern auch mit einem Teppich und drei Poufs zurück nach Marrakech fahren, versteht sich jawohl fast von selbst :o)


Roadtrip Tag 4 - Ait Ben Haddou


Endlich geht er los, der richtige Roadtrip...und natürlich nicht mit einem Fahrer, auf eigene Faust wollen wir los und unabhängig das Land erkunden. Unser Etappenziel an diesem Tag: Ait Ben Haddou. Eigentlich sind es nur 183 km, aber die Straßen sind in einem dermaßen schlechten Zustand und dermaßen kurvig (wir fahren erneut über das Atlas-Gebirge), dass wir für die Strecke fast 4 Stunden brauchen.

Wir staunen, grübeln und sind fasziniert von unserem ersten Eindruck des Landes abseits Marrakechs. Überall sind die Menschen mit Eseln unterwegs oder fahren per Anhalter (das ist hier absolut üblich und auch wir nehmen auf unserer Reise immer mal wieder Menschen mit, die per Anhalter unterwegs sind...so ergeben sich wirklich schöne Momente des Kennenlernens - heute nehmen wir z.B. einen kleinen Jungen auf dem Nachhauseweg von der Schule mit...er sitzt fast 15 Minuten mit uns im Auto, ich will gar nicht wissen, wie lange er normalerweise zu Fuß unterwegs ist).

Durch Zufall finden wir ein supersüßes, kleines Restaurant am Rande der Straße irgendwo im Nirgendwo um uns für die Weiterfahrt zu stärken. Als wir endlich in unserem Hotel Dar Mouna ankommen, springen die Kids erstmal in den Pool - wir haben extra für die Kinder immer Unterkünfte mit Pool gebucht, damit auch sie zwischendurch auf ihre Kosten kommen.


Das malerische Ait Ben Haddou ist ein befestigtes Lehm-Dorf, ein sogenanntes Ksar, am Rand des Hohen Atlas. Ait BenHaddou ist seit 1987 UNESCO-Weltkulturerbe und war Drehort für mehrere bekannte Filme und Serien, darunter Lawrence von Arabien, Gladiator und Game of Thornes. Bevor wir jedoch die Ksar besichtigen können, zieht am Nachmittag ein Sandsturm auf - wir trauen uns zuerst mutig nach draußen, müssen jedoch erkennen, dass wir die Augen kaum offen halten können - von daher verbringen wir den Abend in unserem Zimmer und gehen früh schlafen.


Roadtrip Tag 5 - Zagora


Umso wundervoller ist es am nächsten Morgen aufzuwachen und den Blick über den Fluss und die alte Ksar schweifen zu lassen - das ist Afrika.


Nach dem Frühstück klettern wir über das fast ausgetrocknete Flussbett, um die Kasbah zu besichtigen. Was von der gegenüberliegenden Flußseite so romantisch anzusehen war, entpuppt sich aus der Nähe als totale Touristen-Attraktion. Busse voll mit asiatischen Touristen überschwemmen regelrecht die alten Mauern - Gladiator und Games of Thrones sei dank (wir müssen an dieser Stelle gestehen, dass wir die Serie nicht mal gesehen haben). Wir ergreifen fluchtartig Reiß-Aus und machen uns weiter auf Richtung Sahara. Heutiges Etappenziel: Zagora (190 km - knapp 3 Stunden Fahrt).


Die Landschaft wird immer trockener und die Hautfarbe der Menschen immer dunkler. Auch heute nehmen wir einen Anhalter mit - einen jungen Berber, der uns zum Dank auf einen Minztee einlädt. Wie es der Zufall will, betreibt seine Familie ein kleines Teppich-Geschäft (eine Kooperative für geschiedene und verwitwete Frauen) - wir sind über eine Stunde dort und bekommen eine richtige Einweisung in die Teppichkunst (bekommen Unterschiede in Material, Farbe und Herstellungsweise erklärt und es ist wirklich spannend). Dass wir auch hier nachher einen neuen Teppich im Kofferraum verstauen brauche ich ja fast schon nicht mehr erwähnen.

Unser Hotel Riad Lamane in Zagora ist ein absoluter Traum, der Garten ist wunderschön und während die Kids den Pool und die Gärten erkunden, genießen wir die Ruhe und nutzen die Zeit zum Chillen und Lesen.


Roadtrip Tag 6 & 7 - Sahara


Bis Mittags liegen wir am Pool, bevor wir uns auf den Weg Richtung Sahara aufmachen. Wir können es kaum erwarten, die Wüste in Natura zu sehen.

Da wir jedoch nicht im Hotel zu Mittag gegessen haben, halten wir in einem kleinen Dorf an. Scheinbar halten hier normalerweise keine Touristen an, denn wir sind die Attraktion schlechthin. Wir werden beobachtet, es wird getuschelt und wir fühlen uns zunächst etwas verunsichert ob der ganzen Aufmerksamkeit. Wir nehmen in einem kleinen Restaurant (na ja, zumindest steht Restaurant auf einem Schild) an der Straße Platz und werden direkt superfreundlich vom Besitzer bedient und gefragt, was wir denn zu Essen wünschen. Kaum ist die Bestellung aufgenommen, schwingt er sich auf seinen Roller und verschwindet, um die Zutaten für die Gerichte einzukaufen.

Dementsprechend dauert es auch alles SEHR lange, bis wir dann auch wirklich etwas zu Essen bekommen, dafür sind die Gerichte wirklich superfrisch und schmecken köstlich...das Lustigste ist, dass jeder Dorfbewohner irgendetwas anderes ins Restaurant bringt, der eine bringt Brot und ein anderer Servietten. Wer auf dem Weg in die Sahara dort auch mal anhalten möchte, dem hänge ich hier ein Foto des Ladens an :o) Gleich gegenüber ist ein Mini-Kiosk bei dem die Kinder sich als Nachtisch ein Eis gekauft haben - für 1 Dirham (das sind umgerechnet 10 Cent!!!! In Marakesch haben wir für ein Eis 3 € gezahlt!!!).


Nach dem Essen geht es für uns weiter Richtung Wüste.

In M´Hamid, einem winzigen Dorf mit nur wenigen Häusern, stehen sie plötzlich an der Seite: unsere Kamele ♥ Diesen Trip haben wir bereits in Deutschland gebucht, da wir Wert darauf gelegt haben, dass diese Wüstentour auch wirklich kindergerecht ist (hier der Link). Neben uns sind nur noch zwei weitere Familien bei diesem Abenteuer dabei.


 

Wir besteigen unsere Kamele, nicht jedoch bevor unser Beduine uns in die Kunst des Turban-Wickelns eingeführt hat, und schaukeln langsam mit unserer Karawane durch den heißen Wüstensand. Die Natur ist atemberaubend und wir genießen den 1 1/2 stündigen Ritt bis am Horizont unser Zeltdorf auftaucht. Natürlich hatte ich eine romantisch verklärte Vorstellung von so einem Zeltdorf (wahrscheinlich habe ich zu oft irgendwelche Luxus-Wüstenzelte in Dubai auf Fotos bestaunt) und bin erstmal enttäuscht. Jede Familie hat zumindest ihr eigenes kleines Zelt - aus Plastik! (Ich dachte, es wären traditionelle Kamelhaarzelte?) Es gibt ein Waschzelt (Häh? Ich dachte, es gibt jetzt einen Tag mal wirklich keine Toiletten und Waschgelegenheit...) und ein großes mit Teppichen und bunten Kissen ausgelegtes Hauptzelt für das gemeinsame Essen. Es gibt sogar tatsächlich Handyempfang!!! Beduinen in der Wüste mit Handy - wo bitte ist das Abenteuer? Das habe ich mir nun wirklich anders vorgestellt!



Den Nachmittag verbringen wir barfuß auf den Dünen, streicheln die Kamele und genießen die Ruhe. Abends dann rufen die Kamelführer ins Hauptzelt, sie haben Tajine auf dem offenen Feuer gekocht. Es schmeckt köstlich und doch wundert es uns ein bißchen, dass die Türen des Zeltes irgendwann geschlossen werden und wir statt des erhofften Lagerfeuers unter funkelnden Sternen drinnen noch Minztee serviert bekommen und die Jungs anfangen zu trommeln und arabische Volkslieder zu singen (ein echtes Highlight!).


So langsam werden wir müde und wollen zu unseren Zelten zurück. Es sei mittlerweile ein "bißchen" windig draußen geworden, heißt es bevor die Türen geöffnet werden. Ein bißchen? Draußen tobt ein richtiger Sandsturm, ich kann die Hand vor Augen nicht erkennen - geschweige denn weiß ich in welcher Richtung sich unser Zelt befindet. Wer hat sich hier nochmal ein Abenteuer gewünscht?

Mit Hilfe der Kamelführer schaffen wir es alle in unser Zelt, um dort festzustellen, dass der Sand durch alle Ritzen ins Zelt rieselt und der Sturm unermüdlich gegen die Zeltwände peitscht... Natürlich waren wir alle noch nicht auf Toilette und keiner von uns zieht ernsthaft in Erwägung sich noch einmal nach draußen zu wagen - in McGyver Manier schneiden wir kurzerhand unsere leeren Wasserflaschen auseinander und jeder bekommt eine abgeschnittene Plastikflasche als Not-Toilette :o)                                           

Als wir endlich in unseren Betten liegen, haben die Kinder Angst und auch der ♥-Mann fühlt sich nicht ganz wohl bei der Sache (im Kopf spielt er schon diverse Rettungsmanöver durch, sollte das Zelt wegfliegen oder wir hier eingesandet werden). Ich jedoch finde es unglaublich toll, endlich mein Abenteuer zu erleben und fühle mich wie ein echter Beduine, der im Einklang mit der Wüste lebt und darauf vertraut, dass alles gut wird. In dieser Nacht bin ich scheinbar die Einzige, die gut und sorgenfrei schläft (wie ich am nächsten Morgen erfahre). Es regnet sogar nachts - REGEN! In der WÜSTE...findet den Fehler.

Doch schon beim Sonnenaufgang am nächsten Morgen zeigt sich wieder die Sonne...langsam geht sie hinter den Dünen auf und vertreibt die eisige Kälte. Die armen Kamele, die dem Sandsturm ja wirklich schutzlos ausgeliefert waren, liegen tiefenentspannt im Sand - sie haben sich nachts einfach Einsanden lassen, während unsere Sättel kreuz und quer verteilt liegen.



Nach dem Frühstück geht es auf unseren Kamelen zurück in die "Zivilisation", sofern man diese fast menschenleeren Orte so nennen kann. Weil wir dringend einen Kaffee brauchen, halten wir im nächstgrößeren Ort an und setzen uns in ein Straßencafe. Wir schon gestern, kommt der Besitzer sofort heraus und begrüßt uns mit Handschlag!!! Er erzählt uns, dass die Touristen normalerweise NIE hier anhalten, sie fahren mit den Bussen oder Jeeps in die Wüste rein und einen Tag später wieder heraus in ihre Hotels, niemand traut sich in einheimische Straßencafés Platz zu nehmen. So bekommen nicht nur wir einen wirklich guten Milchkaffee sondern die Kids auch noch selbstgebackenes Gebäck geschenkt - bevor wir den Rest des Tages in unserem Riad (und die Kinder im Pool) verbringen.


Roadtrip Tag 8 - Ouarzazate


Ourzazate ist das Hollywood Marokkos! Hier könnte man - sofern es einen interessiert - Filmstudios und berühmte Filmkulissen besuchen. Wir interessieren uns leider gar nicht dafür und haben diesen Zwischenstopp nur deshalb eingeplant, weil die Rückkehr nach Marrakech an einem Tag definitiv zu stressig gewesen wäre.

So genießen wir die Fahrt durch das 200 km lange Drâa-Tal, das sich wie ein grünes und fruchtbares Band mit großen Palmenplantagen von der Sahara bis zum Atlas Gebirge schlängelt. Die grünen Palmen, die alten Lehmdörfer links und rechts und die Bergmassive, die an die Canyons in Amerika erinnern fügen sich zu einer unwirklichen Landschaft zusammen.

Unterwegs halten wir an Straßenständen an und kaufen wundervolle Korbwaren, die hier im Tal von Hand hergestellt werden. Die Preise sind so günstig, dass wir uns nicht mal mehr trauen zu verhandeln - es würde uns wirklich unwürdig erscheinen und in uns ein schlechtes Gefühl hinterlassen. So muß ich mich also beherrschen, nicht komplett zu übertreiben und begnüge mich mit 9 Teilen, die wir noch irgendwie in den Kofferraum quetschen. Zum Abschied bekommen beide Kinder einen kleinen Mini-Korb geschenkt ♥



Den Rest des Tages verbringen wir in unserem kleinen süßen Riad Maison d´hôtes Dar Farhana - für den Pool ist es an diesem Tag zu kalt, aber die tolle Dachterasse lädt zum Lesen und Spielen ein und abends werden wir von der Besitzerin lecker bekocht.


Roadtrip Tag 9 - Marrakech 


Am nächsten Morgen geht es nach dem Frühstück wieder über das Atlas-Gebirge zurück nach Marrakech. Auch heute halten wir zwischendurch an, als wir eine Mutter mit ihren 4 Kindern am Straßenrand stehen sehen - wir stehen kaum, da öffnen sich die Türen und alle 4 Kinder klettern zu uns und quetschen sich ins Auto...äh ja, dann fahren wir einfach mal zu 8t bis zur Schule im nächsten Dorf :o)

Die Strecke zieht sich - wie bereits auf der Hinfahrt total -, vor allem, da aktuell überall das Straßensystem ausgebaut wird. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit hinter einem Pickup mit Schafen hertuckern, nutze ich die Gelegenheit als endlich mal kein Gegenverkehr kommt, um zu überholen...Ich muß zugeben, die Spur ist durchgezogen und Überholen verboten, aber das wird doch hier niemand interessieren...tja, was soll ich sagen: Genau in dem Moment als ich überhole sehe ich 10m vor uns eine Polizeikontrolle. Natürlich werde ich rausgewunken und der nette Polizist gibt mir zu verstehen, dass ich zum Einen nicht hätte überholen und zum Anderen vor einer Polizeikontrolle nur Schrittgeschwindigkeit hätte fahren dürfen..hätte, hätte, Fahrradkette...die Strafe soll umgerechnet 50€ betragen. Während der ♥-Mann und ich noch im Auto diskutieren, fragt der Polizist, ob 50€ für uns viel Geld wären. Brav nicke ich und tatsächlich dürfen wir nach einer kurzen Belehrung ohne Strafe weiterfahren. Puhhhh...

Kaum in Marrakech angekommen, fahren wir erstmal zur Autovermietung, um das Auto abzugeben. Aufgrund unseres Gepäcks entscheidet sich der Anbieter jedoch, uns mit dem Auto noch zu unserem Riad fahren zu lassen und bittet uns, ihm einfach hinterherzufahren. Wir passieren kaum den Djema el Fna (ihr erinnert euch, der Platz der Gaukler...und Tierquäler) hält mich schon wieder ein Polizist an. Ob ich denn nicht gemerkt hätte, dass ich soeben über eine rote Ampel gefahren sei...äääähhhm, nein, um ehrlich zu sein, nicht! Er läßt seine Hand in unser Auto hängen und suggeriert uns, dass wir ihm ja aber etwas Geld für einen Kaffee geben könnten, dann würde er die Sache vergessen. Irritiert finden wir im Geldbeutel nur einen Schein (umgerechnet 10 €), drücken ihn dem Polizisten in die Hand und dürfen weiterfahren. Der Fahrer von der Autovermietung bestätigt uns nachher, dass die Ampel definitiv nicht rot war und der Polizist scheinbar sein Gehalt aufbessern wollte (da sind 10€ für ihn nicht gerade wenig, das durchschnittliche Monatseinkommen in Marokko liegt bei 230€ brutto!!!)


Für die letzten Tage haben wir uns ein extra schönes Riad innerhalb der Altstadtmauern ausgesucht. Im Riad Chocolatfühlen wir uns wie Aladin in 1000 und einer Nacht - überall Pflanzen #urbanjungle, bunte Teppiche und farbenfrohe Kissen...unser Zimmer ist unglaublich toll und die Dachterrasse ist ein wahr gewordener Traum. Kein Wunder, dass diese zu unserem Lieblingsort wird.



Roadtrip Tag 10-12 - Marrakech


Die nächsten Tage verbringen wir ganz entspannt in Marrakech...wir erkunden die Stadt ausschließlich zu Fuß, lassen uns treiben, bummeln durch die bunten, nie enden wollenden Souks (handeln und kaufen allerlei schöne Dinge) und landen auf Empfehlung unserer Gastgeberin nochmal in einem tollen Teppich-Laden, in dem wir  zwar keinen Teppich, jedoch für unsere marokkanische Dachterrasse 10 Kissen kaufen (Tapikari - 5, Place Mokef Db. MDAMI). Wer sich mittlerweile zu Recht fragt, wie wir das ganze Zeug eigentlich heim bekommen haben, dem sei gesagt: die Verkäufer sind totale Verpackungskünstler, die jeden noch so großen Teppich irgendwie handlich verpacken können. Wir haben für den Rückflug noch ein zusätzliches Gepäckstück angemeldet, uns eine dieser superschicken Plastik-Tüten in Kofferform (mit denen die Araber ja gerne mal verreisen) am Kiosk verkauft und alles heimbekommen ;o)

Eigentlich hätte ich supergerne den Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent gesehen, jedoch habe ich mich auf Anraten unserer Gastgeberin dagegen entschieden (die Wartezeiten gerade zu Ostern sind enorm). Daher besuche ich mit den Kindern den kleineren, aber auch entspannteren Jardin Secret am Rande der Altstadt.



Da wir aufgrund unserer Rundreise schon genug Programm hatten, haben wir uns für die letzten Tage wirklich gar nichts vorgenommen und somit kann ich euch nun auch gar keine richtigen City-Highlights nennen. Ich kann euch nur raten, traut euch auch in Gassen, in denen keine Touristen unterwegs sind und traut euch vor allem auch an Garküchen, in denen nur Einheimische essen. Natürlich ist der Hygiene-Standart ein anderer, jedoch wird aufgrund der fehlenden Kühlmöglichkeiten immer alles frisch zubereitet und wir hatten nicht ein einziges Mal auch nur Magengrummeln.

Die Menschen in Marokko sind superfreundlich, besonders Kinder lieben sie. Nicht einmal fühlten wir uns unsicher, bedroht oder in Gefahr (und wir sind auch abends im Dunkeln durch kleine Gassen gewandert). Ebenso wenig wurde ich als Frau angemacht - ich bin jedoch auch nicht mit kurzen Klamotten umhergelaufen und habe fast immer ein Kopftuch locker umgebunden gehabt (besonders außerhalb der Stadt). Nicht für die Männer, sondern aus Respekt vor den Frauen, die dort nicht immer die Wahl haben und auch aus Überzeugung Tuch tragen. Wer anderen Menschen und Religionen mit Respekt begegnet, dem wird im Gegenzug auch Respekt entgegen gebracht - so zumindest meine Meinung und meine Erfahrung.


Bezüglich der Verständigung ist es übrigens definitiv von Vorteil, wenn ihr Französisch sprecht. Englisch können die Wenigstens (auf dem Land so gut wie niemand), aber alle sprechen Französisch.

Als Restaurant-Empfehlung können wir noch das Restaurant Un Déjeuner à Marrakech hervorheben - auf der Panorama-Dachterrasse sitzt man gerade Abends fantastisch und auch das Essen ist sehr gut. Ebenfalls ein Highlight für Seifen-Fans ist der kleine, etwas versteckte Laden L´Art du Bain (ich mußte mehrmals nachfragen, bis ich das Lädchen endlich gefunden hatte) - dort gibt es tolle handgemachte Seifen, die zwar teuer sind aber betörend gut riechen. Ebenfalls angesagt unter hippen Jugendlichen aus Marrakech ist die Boutique Warda la Mouche - hier werden orientalische Stoffe und Muster mit aktuellen Designs kombiniert. Diese drei Läden sind mir besonders in Erinnerung geblieben, jedoch bin ich ein Fan von Einfach-Treibenlassen und dort hineingehen, wo es  euch gefällt ♥


Wir können euch nur raten: Traut euch! Fahrt nach Marokko! Und bleibt nicht nur in Marrakech - denn im Vergleich zum Rest des Landes hat uns diese Stadt eher enttäuscht. Wer Land und Leute wirklich kennenlernen will, sollte raus aus dem Gewohnten und raus aus der Komfort-Zone - ihr werdet definitiv nicht enttäuscht! ♥


Fühlt euch gedrückt, eure Nine


Dieser Text ist im Jahr 2019 geschrieben worden. Nun wurde er im Zuge des Relaunchs meines Reiseblogs auf dieser Website noch einmal neu veröffentlicht.

 

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