Roadtrip durch Norditalien mit Kleinkindern (Milano, Verona, Venedig, Gardasee)
- Nine

- vor 2 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Um ehrlich zu sein war ich nie ein großer Italien-Fan…zu groß meine Liebe zu Spanien und die wenigen Aufenthalte in Italien nicht wirklich von tollen Erlebnissen geprägt (1998 Abi-Abschlussfahrt nach Cesenatico - die für mich nach einem Bad in der damals Algenpest verseuchten Adria mit Nesselsucht am ganzen Körper und 40°C Fieber endete).
Als es im März 2017 darum ging, wo wir unseren Urlaub verbringen würden, entschieden wir uns trotzdem (oder gerade deswegen) für Italien…irgendwas mußte doch dran sein an dieser weit verbreiteten Begeisterung (immerhin kokettieren wir Münchner doch immer damit, dass wir hier in der nördlichsten Stadt Italiens wohnen).
Beschlossene Sache: 2 Wochen Roadtrip mit eigenem PKW durch Norditalien, als Ausgangsbasis das Haus meiner Eltern in den Schweizer Bergen - von dort ist Italien gerade mal eine Stunde entfernt.
Nach einem Zwischenstop in Lugano (Kindheitserinnerungen), treffen wir in Mailand ein - drei Tage haben wir für die Modestadt eingeplant. Eine Wohnung haben wir vorab über Booking.com gebucht - eine wirklich tolle Unterkunft im Navigli-Viertel, nah an den Kanälen gelegen.
Ich sag mal so: Eine Empfehlung können wir für diese Stadt mit kleinen Kindern leider nicht wirklich aussprechen. Auch wenn die Stadt für modebegeisterte Fashionistas und Fans von Dolce & Gabbana, Armani und Chiara Ferragni ein MUST ist, ist sie für einen Städtetrip mit kleinen Kindern nicht unbedingt geeignet. Selbstverständlich kann man sich auch mit Kindern einen Tag lang den Dom, die im Jugendstil erbaute Einkaufspassage "Galleria Vittorio Emanuele" anschauen und an jeder Straßenecke leckeres Eis essen, aber ich war doch schon enttäuscht.
Die Navigli (eigentlich süße Kanäle, an deren Ufer sich links und rechts Restaurants und Bars aneinanderreihen) sind im Sommer für die jungen Mailänder bestimmt ein Hotspot, aber selten habe ich so verdreckte Kanäle gesehen (als wir dort waren, wurde gerade eine riesige Reinigungsaktion durchgeführt, bei der abgesehen von Plastikmüll tausende (!!!) von leeren Alkoholflaschen und -dosen aus den Kanälen gezogen wurden - für die Kinder natürlich spannend anzusehen, für mich ein absoluter Horror, von Umweltschutz und Nachhaltigkeit keine Spur!).
Auf der Suche nach etwas Auslauf und einem schönen Park für die Kids, stießen wir auf den überall angepriesenen "Giardini Pubblici", in dem es auch einige kleine Fahrgeschäfte für die Kinder gibt. Nun muß ich auch hier leider sagen, dass der Park zu diesem Zeitpunkt als zweites Wohnzimmer zahlreicher Obdachloser genutzt wurde und auch nur bedingt gepflegt war. Klar, die Kinder durften ein paar Mal mit der Eisenbahn fahren, den Spielplatz unsicher machen, aber die gewünschte Großstadtinsel fanden wir dort nicht.
(Ebenfalls gut zu wissen ist, dass der Mailänder Dom sowie die Einkaufspassagen von Soldaten mit Maschinenpistolen bewacht werden - dass mag für viele in der heutigen Zeit als sicher empfunden werden, für mich war es jedoch etwas befremdlich mit meinem kleinen Kindern dort entspannt entlang zu flanieren und ihnen zu erklären, warum Soldaten in Kriegsausrüstung patrouillieren.)
Unser Fazit zu Mailand: als Städtetrip für Modefans - bevorzugt im Sommer - bestimmt eine Reise wert, für uns Familie mit kleinen Kindern nicht zu empfehlen!
Nach 3 Tagen ging unsere Reise weiter…Ziel Venedig, natürlich nicht ohne einen Zwischenstop in Verona einzulegen. Wer kennt sie nicht, die berühmte Balkonszene von Romeo & Julia…
Auch wenn der erwähnte berühmte Innenhof mittlerweile krass überlaufen ist (als ich vor 17 Jahren das erste Mal dort war, war es das noch nicht), bleibt er natürlich trotzdem ein absolutes Must-See, schworen sich hier Romeo und Julia doch ewige Liebe #halloromatik.
Verona ist eine bezaubernde Stadt mit zahlreichen historischen Bauwerken, alten Patrizierhäusern in engen Gässchen, tollen Marktplätzen und -ständen und dem zweitgrößten Amphitheater der Welt (erbaut 30 n. Chr.) - wir und die Kinder waren begeistert! Absolut empfehlenswert für einen Tagestrip!
Das absolute Highlight unserer Reise liegt allerdings erst vor uns: Venedig!!!!
Schon die Anreise ein Erlebnis: da wir mit dem eigenen PKW reisen, uns das völlig überteuerte Parken an der Piazzale Roma in Venedig aber sparen wollen, bekommen wir von Venedigerfahrenen Freunden einen super Tipp, den wir gerne weitergeben. Wir parken in MESTRE, einem Vorort von Venedig, und nehmen dort das Parkhaus "Piazzale Candiani". Von dort geht es mit der Straßenbahn bis zum Busbahnhof Piazzale Roma (Endstation für alles, was Räder hat).
Von hier geht es nur mit dem Boot (Vaporetto) weiter…wir empfehlen gleich für die Dauer eures Aufenthaltes ein entsprechendes Ticket zu lösen, da ihr einfach flexibler seid und überall ein- und aussteigen könnt, so oft ihr wollt.
Als wir im Boot sitzen und durch die Lagune fahren, wird es schon langsam dunkel und ich bin bereits jetzt glücksselig von diesem Anblick. Während die Möwen über uns hinweg fliegen, lassen wir uns bis zur Haltestelle Markusplatz den Fahrtwind um die Nase wehen.
Unserer Bleibe für die nächsten 3 Tage ist ein alter Palast aus dem 15. Jahrhundert: die Residenza Ca´Malipiero. Direkt an einem kleinen Kanal gelegen, 10 Minuten vom Markusplatz entfernt und trotzdem bereits in einer ruhigeren Lage, in der sich keine Touristenmassen befinden.
Für mich ist bereits der dritte Venedigbesuch, für den Herzmann das erste Mal...aber auch bei ihm und bei den Kids: Love at first sight! Wir haben uns mutigerweise dazu entschlossen, keinen Buggy mit nach Venedig zu nehmen (Lola war damals 2 Jahre und 3 Monate alt) weil wir keine Lust haben ihn treppauf-treppab zu tragen und haben Glück, dass Lola alle Wege munter mitläuft...was aber auch daran liegt, dass Venedig einfach furchtbar spannend ist.
Da es ja keine Autos gibt, wird wirklich alles mit Booten transportiert (Müll, Bauarbeitermaterial, Lebensmittel...) An jeder Brücke verweilen wir und beobachten das emsige Treiben auf den Wasserstraßen.
Ein Programm haben wir uns nicht überlegt, wollen uns ganz bewusst treiben lassen, auch Museen haben wir von unserer ToDo Liste gestrichen...stattdessen erkunden wir Venedig zu Fuß und per Vaporetti, steigen ein und aus wo wir möchten, meiden dabei aber die großen Touristenströme (wir schauen uns einmal den Markusplatz und einmal die Rialto-Brücke an, das war es dann auch schon mit den klassischen Touri-Hotspots).
Das versteckte Venedig ist viel schöner, viel authentischer, frisch gewaschene Wäsche baumelt an Seilen über die Straßen und Kanäle, wir entdecken kleine Buchhandlungen, in denen sich die Kinder alte italienische Mickey Mouse Hefte kaufen, zünden Kerzen in kleinen Kirche an, trinken Cappuccino auf winzigen Plätzen und beobachten das Treiben. Wie ihr seht: ein Aufruf zum Keinen-Plan-haben, und das ist bei mir schon eine Seltenheit #listenmenschdeluxe.
Wer viel sehen will, ohne groß zu laufen, nimmt einfach kreuz und quer die Vaporettis und ergattert einen der raren Außenplätze.
Wer mit Kindern einen Spielplatz sucht, sollte mit dem Vaporetto zur Haltestelle „Sant´Elena“ fahren...hier trifft man fast nur noch Einheimische, es gibt Spielplätze, Fahrrad- & Skatewege, Basketball- und Fußballplätze und Wiesen...während wir in einem kleinen Cafe mal wieder Capuccino trinken, sind die Kinder selig.
Auf jeder Bucketlist sollte eine Gondelfahrt durch Venedigs Kanäle stehen...unser Tipp: sich nicht in die Menschenmassen am Markusplatz einreihen, um dann im Gondelstau zu stehen (nur um einmal unter der Seufzerbrücke herzufahren). Lieber irgendwo bei einem kleinen Kanal einsteigen. Wir z.B. sind direkt vor unserem Hotel eingestiegen, sind durch kleine, fast bootleere Kanäle gefahren und haben uns von der maroden Vergänglichkeit der Stadt einnehmen lassen.
Leider habe ich keine wirklichen Restaurant-Tipps für euch...was dem geschuldet ist, dass wir mittags immer dort eingekehrt sind, wo wir gerade unterwegs waren (ohne zu wissen, wo wir eigentlich genau sind) und abends waren die Kids immer so durch #okaywirelternauch, dass wir uns beim Pizzabäcker um die Ecke Pizza aufs Zimmer geholt haben...auch an Andis Geburtstag, an dem wir eigentlich in einem Restaurant reserviert hatten. Dort war es allerdings so unglaublich voll, laut und stickig, dass Luis nach 5 Minuten einen Heulanfall bekommen hat und wir beschlossen haben, doch wieder Pizza auf dem Zimmer zu essen...in aller Ruhe, durch die Fenster der Blick über die Stadt und mit entspannten Kids, besser geht’s doch nicht :)
Eigentlich war angedacht, dass wir nach Venedig wieder zurück in die Schweiz fahren...jetzt hatte uns das „La dolce Vita“ jedoch soweit im Griff, dass wir spontan einen weiteren Zwischenstopp mit Übernachtung am Gardasee eingelegt haben...dass wir letztendlich in Sirmione gelandet sind – was sich als absoluter Glücksgriff rausgestellt hat – war nur dem Umstand zu verdanken, dass wir keinen allzu großen Umweg von unserer angedachten Reiseroute machen wollten.
Und was sollen wir sagen: ein toller Ort!
Sirmione hat unser Herz gleich erobert...nicht nur, dass wir unverschämtes Glück mit dem Wetter hatten, das Städtchen ist einfach süß...mit seinen kleinen Gässchen, der tollen Burg, die wir selbstverständlich mit den Kindern erobern mußten und in der Abenddämmerung einen wunderbaren Blick über den See gratis dazu bekamen und seinen vielen Restaurants...während wir schon im März mit einem Aperitivo draußen gesessen haben, konnten die Kids auf der Piazza Fußball und Fangen spielen #perfektewinwinsituation.
Was für Kinder auch sehr nett ist, ist der kleine Bummelzug zum Preis von 1€, der von der Altstadt aus zu den „Grotten des Catull“ fährt (Ruinen einer alten römischen Villa aus dem 1. Jahrhundert nach Christus). Aber selbst wer nicht die Grotten besichtigen möchte, hat von dort oben einen phänomenalen Ausblick über den See. Zurück kann man leicht zu Fuß gehen, ein Abstecher runter zum „Lido delle Bionde“ lohnt sich: ein Cafe direkt an einem kleinen flach abfallenden Kiesstrand gelegen (von hier sind wir entlang des Seeufers zurück nach Sirmione gewandert, auch für kleine Kinder nicht weit).
Von Sirmione aus ging es für uns dann leider wieder zurück in die Schweiz...obwohl wir es nicht erwartet hätten, kamen wir dort wirklich tiefenentspannt an. Die Angst, ob die vielen Stopps und verschiedenen Unterkünfte für die Kinder vielleicht zu anstrengend seien, der fehlende Kinderwagen zu Dramen führen würde – alles unbegründet.
Dadurch, dass wir uns an den Orten selber keinen großen Plan überlegt hatten, der uns hätte stressen können, waren scheinbar auch die Kinder nicht gestresst...wir haben uns einfach an den Rhythmus und die Geschwindigkeit unserer Kids angepasst statt umgekehrt!
Ebenfalls für uns Eltern eine angenehme (und auch mal andere) Erfahrung, die uns dazu bewegt hat, auch in diesem Frühjahr wieder einen Roadtrip zu unternehmen: im April geht es für uns 2 Wochen nach Süditalien: Neapel, Capri, Sizilien, Amalfiküste...wir sind schon gespannt und hoffen, dass auch dieser Roadtrip wieder ein entspanntes und gleichzeitig spannendes Familienabenteuer wird.
Alles Liebe, eure Nine
Dieser Blogbeitrag stammt aus dem Jahr 2017 und ist Teil meines Archivs.
Ich habe ihn im Zuge des Relaunchs auf meiner neuen Website neu veröffentlicht.



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