Roadtrip durch Süditalien mit Kleinkindern - Teil 1 (Capri & Sizilien)
- Nine

- vor 2 Tagen
- 13 Min. Lesezeit
Während wir auf der Nachtfähre Richtung Palermo schippern, frage ich mich ernsthaft, was ich mir eigentlich dabei gedacht habe...ich weiß nicht woran es liegt, aber ich bin nicht gerade gut darin, die Verantwortung komplett abzugeben wenn es um Transportmittel wie Flugzeuge, Fähren oder sogar Schnellzüge geht. Ich mache mir immer Sorgen, dass etwas passieren könnte und bin dann einfach nicht entspannt...während also alle anderen hier bei relativ ruhiger See selig in ihren Betten schlummern, widme ich mich dem Blogeintrag unserer ersten Reiseetappe: CAPRI ❤
Wir fliegen Samstag Mittag mit der Lufthansa in knapp 1 1/2h von München nach Neapel (wer Flugangst hat, dem empfehle ich übrigens Fliegen mit Kindern, dann hat man nämlich eher keine Zeit, sich um seine eigenen Befindlichkeiten zu kümmern ;).
Mit dem Taxi geht's zu unserer Unterkunft Suite Apartments Angioini, welche ich aufgrund der direkten Nähe zum Hafen gewählt habe (Fußweg zur Fähre ca. 4 Minuten). Sehr großzügige Studios, leider auch sehr hellhörig wie ich nachts erfahren muss (zuerst feiert das Zimmer nebenan eine Party, die später noch durch mehr oder weniger rhythmische Kopulationsgeräusche getoppt wird #fängtjagutan).
Die Fähre für die Überfahrt nach Capri buche ich sicherheitshalber nachts noch schnell online. Diese am nächsten Morgen zu finden ist dann allerdings ein Abenteuer für sich...wir bekommen vom Hafenpersonal zwei unterschiedliche Abfahrtsorte gezeigt, aber komischerweise kommt dort einfach keine Fähre an...dafür liegt eine am anderen Ende der Mole, welche sich so langsam zum Ablegen bereit macht. Andi läuft vorsichtshalber kurz rüber um zu fragen, ob es nicht vielleicht unser Boot sei. Ist es natürlich, also heißt es Rennen! Mit 3 großen Koffern und 2 kleinen Kindern unser Morgensport.
Hier wird es nun Zeit für die Kategorie „Pleiten, Pech und Pannen" Part I: wir haben die Fähre zwar vorab online gebucht, trotzdem muss man am Hafen immer noch einen Papier-Voucher abholen (Digitalisierung adieu). Dort erfahre ich, dass unser Gepäck extra kostet, ich bezahle, erhalte aber trotz Nachfrage keinen extra Voucher dafür. Auf der Fähre wird prompt nach eben diesem gefragt, den ich natürlich nicht habe und wir werden gebeten noch einmal nachzuzahlen...netter Trick um die ahnungslosen Touristen doppelt abzukassieren. Wer mich kennt, wird wissen, dass ich mich bei so etwas nur schwer zurückhalten kann und wir bezahlen natürlich NICHT doppelt ;)
Nach 45 Minuten kommen wir auf CAPRI an ❤ Kennt ihr vielleicht den Film "Es begann in Neapel" mit Sofia Loren und Clarc Kent? Den haben wir uns vor der Reise angeschaut und der erste Blick ist genau wie im Film. Wir verlieben uns sofort in diesen Hafen und die Häuser in den steilen Hängen.
Das Wetter am ersten Tag ist eher durchwachsen (mit leichtem Nieselregen) und die Insel nahezu menschenleer. Wir erfahren, dass erst einen Tag zuvor die "Sommersaison" begonnen hat und die Insel gerade erst aus ihrem Winterschlaf erwacht ...piano piano.
Unser Hotel liegt im höher gelegenen ANACAPRI, daher nehmen wir eines der extraschmalen, dafür extralangen Taxen zu unserer Unterkunft: Hotel Senaria.
Das Hotel liegt in einer ruhigen Seitenstraße (mit dem Auto nicht zu erreichen). Wir haben ein Familienzimmer mit Verbindungstür gebucht und sind wirklich begeistert. Klein aber fein, perfekte Lage, mit netter Terrasse und Zitronenbäumen im Garten (von denen Luis und ich – unter Protest des Herzmannes - für meine Mama eine dieser dicken Capri-Zitronen stibitzen :). Wer mittendrin im Trubel sein möchte, für den ist Capri selber bestimmt besser; wer es aber authentisch und ruhiger mag, dem sei Anacapri ans Herz gelegt.
Fortbewegungsmittel Nummer 1 auf der Insel sind die kleinen Busse...
Lustigerweise bekommen wir auch zu zweit immer nur einen Fahrschein ausgehändigt, bezahlen aber natürlich immer für zwei...ob sich der Busfahrer das Geld heimlich selber einsteckt, oder ob die Busfahrgesellschaft dies als „schwarze“ Zusatzeinnahme sieht, konnten wir leider nicht herausfinden ;)
Wir sind insgesamt 4 Tage (3 Nächte) auf Capri und wären gerne noch länger geblieben...obwohl die Insel klein ist, gibt es unglaublich viel zu entdecken und zu erleben.
Um euch nicht mit unserem kompletten Reise-Tagebuch zu erschlagen, anbei unsere Touren in Kurzversion:
Von Anacapri aus fährt der Bus zum Leuchtturm „Faro di Punta Cadena“, zu dessen Füßen ein Beachclub (im Sommer) und die Strandbar „Maliblu Sunset“ liegen, von der aus wir abends den sagenumwobenen Sonnenuntergang Capri´s bewundern. „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“ – dieses Lied ist hier tatsächlich Programm und wir sind glückselig von diesem atemberaubenden Anblick!!!
Ebenfalls weltberühmt und zu Anacapri gehörend: La Grotta Azzura – die blaue Grotte. Mit Informationen haben es die Italiener ja nicht so wirklich, denn um in den Genuss der Bootsfahrt in die Grotte zu kommen, bedarf es gleich zweier Anläufe. Beim ersten Versuch verlassen wir uns auf die Angaben im Internet und wandern den angeblich einfachen Fußweg zur Grotte herunter...dieser verwandelt sich allerdings irgendwann in einen supersteilen, überwachsenen Wanderpfad, der für die Kinder recht schwierig zu gehen ist. Unten angekommen ist es menschen- und leider auch Bootsleer...hoher Wellengang, alles geschlossen...zum Glück fährt der Bus von dort trotzdem alle paar Minuten nach oben, wenn wir den Weg mit den Kids hätten gehen müssen, ich schwöre, wir hätten dort übernachten müssen. Zwei Tage später verlassen wir uns auf die Aussage unseres Gastgebers, der extra für uns nachfragt, ob die Grotte an diesem Tag besichtigt werden kann. Und wir haben Glück, wir sind direkt nach dem Frühstück hingefahren und waren mit die ersten vor Ort...wir müssen nicht mal anstehen und können direkt eines der kleinen Boote besteigen, welches uns in die Blaue Grotte fährt. Ein wirkliches Spektakel: da die Höhle nicht bis zum Meeresboden geht, scheint die Sonne unter den ins Meer ragenden Felsen hindurch und färbt die Grotte und das Wasser in ein hellblaues Licht. Natürlich ist dies ein Touri-Highlight, aber gesehen haben muss man es trotzdem (14 € pro Person, Kinder sind umsonst). Als wir fertig sind, kommen auch schon die großen Touri-Boote angefahren und das Chaos auf dem Meer beginnt...unser Tip: so früh wie möglich mit dem Bus zur Grotte fahren (und nicht mit den Ausflugsbooten!), damit man den Touristenmassen entgehen kann.
Mit dem 1er Sessellift geht es von Anacapri direkt auf den „Monte Solaro“ (laut Andi genießt er während der Fahrt einen der schönsten Ausblicke seines Lebens – ein Vergnügen, das er gleich zweimal an diesem Tage erleben wird, aber dazu später mehr). Von oben genießen wir bei einem Cappuccino den wundervollen Rundumblick über die Insel, auf die vorgelagerten Felsen und die Nachbarinseln.
Hier wird es dann Zeit für Part II der Rubrik „Pleiten, Pech und Pannen“: für die Rückfahrt mit dem Lift stecke ich mein Handy dieses Mal nur in die Jackentasche statt in den Rucksack...so ein Foto für Instagram wäre doch etwas feines...wir sind keine 100m weit gefahren, höre ich entsetzte Schreie der mir entgegenkommenden, nach oben fahrenden asiatischen Reisegruppe und sehe gerade noch, wie mein Handy irgendwo unter mir im Hang verschwindet...während ich mir also überlege, wie ich den Rest des Urlaubes nun ohne Handy überstehen soll, merkt der Herzmann sich ganz McGyver-mäßig die Absturzstelle, fährt noch mal eine Runde nach oben, klettert den Berg herunter und rettet mein Handy #applausbitte
Bummeln durch Capri mit seinen kleinen autofreien Gassen ist auch ein absolutes Must. Hier reihen sich Luxusboutiquen wie Louis Vuitton, Prada, Gucci, D&G und Chanel aneinander, dazwischen kleine Cafes, Restaurants und winzige Plätzchen.
Einen fabelhaften Ausblick auf die Faraglioni (die vier kegelförmigen Felsen vor Capri) hat man vom „Giardini di Augusto“ aus. Überall blüht und duftet es und auch der Blick auf die Via Krupp, die bis zum Meer führt, ist einmalig.
Ansonsten bummeln wir durch die kleinen Gassen Anacapris, spielen Fußball mit den Kindern auf kleinen Piazzas, entdecken verwunschene Gässchen, bestaunen Orangen- und Zitronenbäume, trinken Cappuccino in süßen Cafes und genießen das italienische Essen.
Wir haben uns in Capri verliebt – gerade jetzt im Frühling, wenn die Insel aus ihrem Winterschlaf erwacht und noch nicht so überlaufen ist, kann man das wahre Capri mit Kindern ganz besonders gut erkunden.
Für unsere Rundreise durch Süditalien hätten wir uns definitiv keinen bessern Start vorstellen können!
Mittwoch Nachmittag geht es nach 4 wundervollen Tagen für uns mit der Fähre wieder zurück nach Neapel (die Tickets habe ich ebenfalls wieder vorab online gebucht – am Tag selber ist die Uhrzeit tatsächlich ausgebucht, daher empfehlen wir immer vorher online zu buchen, wenn man zu bestimmten Zeiten reisen will).
Wie es für uns nun weitergeht, habt ihr ja bereits in den ersten Zeilen gelesen...wir checken auf der Nachtfähre Richtung Palermo ein.
Gebucht habe ich eine 4-Bett-Kabine mit „Meerblick“ (mit GNV). Wir sind positiv überrascht, wie sauber alles ist und dass es an Board tatsächlich mehrere Verpflegungsmöglichkeiten gibt. Die Kinder sind restlos begeistert, belegen sofort die oberen Etagen der Betten und sind furchtbar aufgeregt und überdreht #abenteuerpur.
Zum Ablegen gehen wir auf das Außendeck, genießen den Blick über Neapel und beobachten die Möwen die sich in unserem Fahrtwind treiben lassen und sich scheinbar von uns verabschieden.
Die Überfahrt dauert 10h Stunden, die See ist ruhig, wirklich leise ist es dennoch nicht (das leise Dröhnen des Motors begleitet uns durch die Nacht). Morgens um halb 7 legen wir in Palermo an, während hinter uns langsam die Sonne aufgeht.
PALERMO empfängt uns überaus freundlich: die netten Männer der Hafenwacht tragen uns sogar unsere Koffer vom Schiff (in Neapel zeigte man uns nicht mal den Aufzug und wir mußten die drei schweren Koffer mehrere Etagen hochschleppen) und möchten nicht mal Trinkgeld dafür nehmen; eine italienische Familie teilt das einzige Taxi mit uns und die nette Dame vom Hotel empfängt uns supernett und bietet uns Frühstück an, obwohl eigentlich erst ab Mittags eingecheckt werden kann. Unsere Unterkunft Il Principe Di Granatelli liegt sehr zentral, alles ist fußläufig zu erreichen und unser Familienzimmer mit einem Doppel- und zwei Einzelbetten ist für den Preis von unglaublichen 72 € nicht zu toppen.
Leider haben Lola und ich uns auf Capri ziemlich erkältet – daher sind wir gezwungen, morgens erstmal einen Kinderarzt aufzusuchen. Netterweise macht die Dame von der Rezeption gleich einen Termin für uns bei einer befreundeten Kinderärztin um die Ecke.
Da es uns Mädels nicht wirklich gut geht, wir aber trotzdem etwas von Palermo sehen möchten, entscheiden wir uns für den Hop On-Hop Off Bus.
Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir die zwei Linien ab und lassen uns ganz tourimäßig mit Kopfhörern etwas über die Stadt erzählen. Dabei bekommen wir einen ersten Eindruck von dieser wirklich tollen Stadt: morbider Zerfall trifft auf mit Liebe zum Detail renovierte Prachtbauten, neue architektonische Gebäude auf Straßenmärkte...ich verliebe mich auf Anhieb in diese tolle mediterrane Stadt, in der das Leben pulsiert!
Den Rest des Nachmittags müssen Lola und ich leider im Bett verbringen, die Jungs erkunden jedoch noch ein bisschen die Stadt: gehen zum Barbier - ein Hobby vom Herzmann, in jeder fernen Stadt zu einem klassischen Barbier zu gehen, spielen Fußball auf der Piazza und beobachten das Treiben im Viertel um unser Hotel.
Palermo ist bekannt für seine Straßenmärkte, die wir bereits am Vortag aus dem Bus heraus vielerorts entdecken konnten. Daher besuchen wir am nächsten Morgen den „Mercato il Capo“ (im Capo-Viertel). Ein Straßenmarkt in einer engen Gasse, in der sich links und rechts Obst-, Gemüse- und Fischstände dicht an dich aneinanderreihen. Sehr authentisch und beeindruckend. Auch wir decken uns mit eingelegten Oliven, frischem Obst und einer 1m langen sizilianischen Zucchini ein (die allerdings nicht wirklich schmeckt #fail).
Für unser Mittagessen haben wir das Restaurant „Il Mirto e la Rosa“ ausgewählt, weil es auf der sogenannten „AddioPizzo Liste“ steht. Schätzungen zufolge zahlen 70-80% aller Unternehmen auf Sizilien Schutzgeld an die Mafia. Seit 2004 haben sich einige mutige Geschäfte in der Antimafia-Bewegung „AddioPizzo“ zusammengeschlossen (addio = auf Wiedersehen, pizzo = Schutzgeld) und bekennen öffentlich, sich gegen die Erpressung seitens der Cosa Nostra zu wehren. Das unterstützen wir natürlich gerne, vor allem wenn das Essen so gut ist.
Im Anschluss nehmen wir bei Sicily by Car unser Mietwagen in Empfang, welcher uns von nun an bis nach Neapel begleiten wird und machen uns auf den Weg nach Marsala.
Wer übrigens gerne mal ohne Regeln Auto fahren will, dem empfehle ich Autofahren in Palermo und Sizilien generell. An Regeln wird sich grundsätzlich nicht gehalten, wer zuerst kommt, fährt zuerst – oder halt wer mehr Mut hat...haha. Mir persönlich macht es total viel Spaß, wer allerdings ein eher ängstlicher oder vorsichtiger Autofahrer ist, wird hier weniger amüsiert sein.
MARSALA selber ist eine kleine Hafenstadt im Westen Siziliens (nur 140km von Tunesien entfernt) welche hauptsächlich für seinen gleichnamigen Likörwein bekannt ist, der hier seine Herkunft hat. Ich habe diesen Stop aufgrund der vorgelagerten Salinen ausgewählt, deren Fotos mir auf Reiseblogs, die ich vorher gelesen habe, sehr gut gefallen haben #instagramopfer.
Die Innenstadt selber ist ganz niedlich, würden wir jedoch nicht noch einmal besuchen. Auch die Vororte wirken auf uns seltsam und etwas einschüchternd: flache Häuser links und rechts entlang den Hauptstraßen, alles verriegelt und verrammelt, nicht mal ein Fenster offen, keine Menschenseele ist hier zu sehen – nur abends wenn die Menschen mit ihren Autos ihre Einkäufe erledigen kommt Bewegung in die Orte, ansonsten scheint es, als gäbe es hier kein Leben (bis auf den obligatorischen Wachhund)...fehlen nur die Heuballen, die über die Straße rollen.
Unsere Unterkunft hingegen ist eine kleine Oase der Ruhe. Das Oasi delle Succulente liegt inmitten eines fantastischen Kakteen- und Palmengartens, die Vermieter sind überaus gastfreundlich und wir haben ein kleines Apartment, welches ich nicht nur aufgrund der positiven Bewertungen sondern auch wegen der Waschmaschine ausgesucht habe...haha. Da wir mit „nur“ drei Koffern reisen - was auch schon zu viel ist, wenn man oft die Unterkunft wechselt - muss nach knapp der Hälfte der Reise einmal alles durchgewaschen werden ;-) #hausfrauundmutter #machtauchimurlaubkeinepause
Die Salinen besuchen wir natürlich auch und nehmen einen Sundowner in der Bar Mamma Caura, während die untergehende Sonne die Salzfelder und die Mühlen in ein rosanes Licht taucht.
Nach zwei entspannten Tagen geht es für uns weiter und wer mir auf Instagram folgt, weiß, dass uns diese Etappe mehr als enttäuscht hat: Da wir zur Ostküste wollen und Sizilien einmal durchqueren müssen, planen wir die Küste entlang zu fahren, bevor wir genau in der Mitte Siziliens (in Caltanissetta) unser Nachtlager aufschlagen wollen.
Zu verlockend sahen all die Orte auf dem Weg aus und auch die Reiseführer fanden viele gute Worte...wir dachten ehrlich schon, dass uns dieser eine Tage entlang der Küste nicht reichen würde.
Die Fahrt nach Selinunt, eine antike griechische Stadt mit Akropolis und griechischem Tempel, zeugt schon von trostlosen, leergefegten Orten, überall liegt Müll und tote Tiere am Straßenrand...und auch die Weiterfahrt ist nicht besser: die als kleine Fischerorte angepriesenen Orte wie z.B. Sciacca und Porto Empedocle bei Agrigento sind voller dreckiger Ecken und mit absoluter Lieblosigkeit erbaut. Es mag sein, dass diese Orte im Sommer bei Hitze zu mehr Leben erwachen, dennoch bin ich der Meinung, dass Orte, die außerhalb des Sommers so heruntergekommen, verdreckt und ohne einen Funken Charme sind, auch im Sommer nicht zu innerer Schönheit gelangen können...
Wir steigen nirgends mehr aus und kommen bereits nachmittags in Caltanissetta an. Auch hier können wir leider nichts Positives berichten: die Stadt ist zwar süß und abends findet eine nette Osterprozession statt, aber uns schlagen absolute Ablehnung entgegen. Wir sind die einzigen Touristen im Ort...wir ernten sehr komische Blicke und fühlen uns tatsächlich so unwohl, dass wir uns Pizza mit in unser Hotel nehmen und dieses nicht mehr verlassen.
In die Kategorie „Pleiten, Pech und Pannen“ fallen dieses Mal die Einkaufsmöglichkeiten in diesem Ort. Neben unserem Hotel hat die Apotheke eine Art Nachtkaufautomaten aufgestellt, indem es neben einer gigantischen Auswahl an Kondomen lediglich Einwegspritzen zu erwerben gibt #wtf #werbrauchtnachtseinwegspritzen? Und auch am nächsten Morgen müssen wir lachen, als wir bei den hiesigen Straßenverkäufern riesige Bolzenschneider zum Kauf entdecken...Kondome, Einwegspritzen und Bolzenschneider...na das klingt doch nach einer beruhigenden Mischung :-)
Später unterhalten wir uns mit einer Einheimischen in Taormina, welche uns erklärt, dass Caltanissetta und das Landesinnere nicht gerade für Gastfreundlichkeit bekannt sind, die Menschen dort sehr engstirnig leben und Fremden gegenüber nicht aufgeschlossen sind. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, wir haben jedoch keine gute Erfahrung gemacht, uns dort mehr als unwohl gefühlt und würden weder den Südwesten noch das Landesinnere Siziliens noch einmal besuchen.
Am nächsten Morgen geht es weiter und wir fahren durch die grüne, hügelige Landschaft Innersiziliens, vorbei an Schafherden und Orangenplantagen mit wunderbar klarem Blick auf den Ätna, der schneebedeckt vor sich hin raucht.
Nach unserer eher enttäuschenden Erfahrung im Südwesten, empfängt uns TAORMINA bei bestem Wetter. Hier einen Parkplatz zu finden, ist allerdings fast unmöglich, daher übernimmt unser Gastgeber Marco das netterweise für uns ;-) .
Wir haben ein Familienzimmer in seiner Unterkunft B&B Marifra gebucht.
Taormina liegt inmitten der Peloritani-Berge auf einem Hochplateau mit Aussicht auf die Küste (bis hin zum Festland) und unvergleichlichem Blick auf den Ätna (wir haben sogar Glück und am ersten Abend gibt es eine kleinen Ausbruch, den wir von Taormina aus sehen können...sehr spannend).
Dieses kleine Dörfchen gehört zu den wohl bekanntesten und meistbesuchten Orten Siziliens. Es ist wunderschön und schafft glücklicherweise gerade noch so den Absprung nicht allzu touristisch zu wirken (zumindest in der Vorsaison, im Hochsommer sieht das wahrscheinlich schon wieder etwas anders aus). Lediglich auf dem Weg zum Teatro Greco-Romano säumen kitschig-ramschige Touristengeschäfte den Weg.
Hier „retten“ wir übrigens ein kleines Mädchen...ich spreche zwar kein italienisch, aber spanisch und lustigerweise verstehe ich doch sehr viel von dem, was hier gesprochen wird...als wir das Theater verlassen, höre ich, wie sich zwei italienische Sicherheitsbeamten darüber unterhalten, dass ein kleines deutschsprechendes Mädchen vermisst wird. Ich erzähle Andi davon und während wir uns auf dem Rückweg zum Dorf darüber unterhalten, was ein Horror das wohl ist, sehe ich ein kleines blondes Mädchen, das ganz entspannt am Straßenrand sitzt. Wir fragen vorsichtshalber mal nach wo denn ihre Mama sei und ob sie uns verstehe...tut sie und wo ihre Mutter sei, wisse sie nicht...also bringen wir das Mädchen zum Theater und siehe da, es ist tatsächlich das vermisste Kind #endegutallesgut
Vorne im Dorf wechseln sich kleine Cafes mit schönen Geschäften und netten Restaurants ab. Absolutes Highlight ist die Piazza IX Aprile – für mich der Inbegriff des "la dolce vita". Nette Cafes, ein atemberaubender Blick auf das Meer, die kleinen Kirchen ringsrum, Straßenmusiker spielen Musik, Verliebte tanzen dazu, Kinder spielen Ball und lernen Fahrrad fahren...für mich eine der perfektesten Momentaufnahmen unseres Urlaubs ♥.
Verlässt man die Hauptflaniermeile kann man auch hier das wahre italienische Leben entdecken: treppauf-treppab laufen, Obstverkäufer entdecken, die mit ihren Ape´s die Straßen entlangfahren und die Anwohner beliefern. Lediglich vom Besuch des Wochenmarktes raten wir ab: kein Obst oder Gemüse, lediglich billige Haushaltswaren, schäbige Klamotten und 1€ Spielzeug aus China können hier erworben werden.
Da unsere Unterkunft super zentral ist, nehmen wir uns die Freiheit abends ein bisschen Elternzeit zu genießen...der Babyphone-App sei dank (wer sie noch nicht kennt, dem sei sie hier ans Herz gelegt: ein Handy fungiert als Babystation, eins als Elternstation, mit Kamera-, Licht- und Schlafliedfunktion, Reichweite unbegrenzt, funktioniert über Internet...wir lieben sie!!!!). Während die Kids schlummern, gehen wir in den nahe gelegenen Restaurants essen – unser absoluter Favorit ist die Osteria Rosso Di Vino. Ein tolles auf Fisch spezialisiertes Restaurant, die zwei Besitzerinnen sind österreichisch-italienischer Abstammung und sprechen deutsch. Alle Zutaten sind regional eingekauft und stammen aus biologischem Anbau – zwar etwas teurer, aber das Essen und auch der Service sind jeden Cent davon wert!
Ebenfalls zu empfehlen ist das Timoleone Cafe: ein wirklich süßes Cafe mit Hippie-Flair, man kann entweder im zugewachsenen Garten oder auf den mit Kissen dekorierten Stufen draußen sitzen.
Wer zwischendurch lieber einen Strandtag einlegen möchte, fährt in wenigen Minuten mit der Seilbahn runter ans Meer.
Wir mieten uns Liegen und bleiben spontan den ganzen Tag am Strand...der Strandwart bringt unseren Kindern sogar Sandspielzeug, damit sie etwas zum Spielen haben...überhaupt werden unsere Kinder hier in Italien außerordentlich herzlich behandelt, jeder streicht ihnen über den Kopf, küsst sie (auf den Kopf wohlgemerkt!), schenkt ihnen etwas und passt z.B. an Straßen auf, dass nichts passiert...davon kann man in Deutschland nur träumen, gerade in München kommt so etwas leider selten vor!
Wir bleiben 2 Nächte und Taormina war unser letztes Ziel auf Sizilien.
Zeit diese abwechslungsreiche Insel mit ihren zwei Gesichtern zu verlassen...wir haben sowohl phantastische als auch seelenlose Orte gesehen, haben uns superwohl und auch superunwohl gefühlt...und unglaublich viele Eindrücke gesammelt.
Ich für meinen Teil möchte auch jeden Fall noch einmal nach Sizilien kommen...Palermo hat mich in seinen Bann gezogen und auch die Nordküste, von der wir leider gar nichts gesehen haben, wartet noch darauf erkundet zu werden.
Im nächsten Teil nehme ich euch dann gerne mit auf unsere Weiterreise aufs italienische Festland: Kalabrien wir kommen!
Eure Nine ❤
Dieser Blogbeitrag stammt aus dem Jahr 2017 und ist Teil meines Archivs.
Ich habe ihn im Zuge des Relaunchs auf meiner neuen Webseite neu veröffentlich.



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